Restrukturierung eines 480M-Automobilzulieferers: Ein 90-Tage-Playbook
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Restrukturierung eines 480M-Automobilzulieferers: Ein 90-Tage-Playbook

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Managing Partner

15. Januar 202512 Min. Lesezeit

Als der Aufsichtsrat eines mittelstaendischen Automobilzulieferers mit 480M Jahresumsatz und 2.800 Mitarbeitern im Fruehjahr 2024 den Notruf absetzte, war die Lage dramatisch: EBITDA-Marge bei minus 4,2 Prozent, Liquiditaetsreserve fuer weniger als sechs Wochen, Kuendigungen von drei wichtigen OEM-Kunden drohten. Die klassische Sanierungsberatung wuerde Monate brauchen. Der Aufsichtsrat wollte einen Leader, der in Tagen handelt.

Tag 1-14: Die Diagnose-Phase

Der von Elite Interim platzierte Interim-CEO, ein ehemaliger Geschaeftsfuehrer eines globalen Tier-1-Zulieferers mit drei Turnaround-Erfahrungen, begann nicht mit PowerPoints, sondern mit Werkshallenrunden. In der ersten Woche besuchte er alle sechs Produktionsstandorte persoenlich, sprach mit Meistern, Schichtleitern und Controllern. Parallel lief eine sogenannte Cash-Treasury-Woche: Jede einzelne Ausgabe ueber 10.000 Euro wurde manuell geprueft, jeder offene Posten priorisiert.

“In einer Restrukturierung gibt es keine Geheimnisse. Je schneller die Wahrheit auf den Tisch kommt, desto schneller kann das Team sie bearbeiten.”

Interim-CEO, Automobilzulieferer

Das Ergebnis der Diagnose: 34 Prozent der SKU-Portfolio-Linien waren unprofitabel, zwei Standorte arbeiteten unter 60 Prozent Auslastung, und das zentrale Einkaufsteam verhandelte Rohstoffvertraege mit Verzoegerungen von durchschnittlich 18 Monaten gegenueber Marktpreisen.

Tag 15-45: Das Operative Programm

Der Interim-CEO etablierte ein War Room-Setup: Taegliche 7-Uhr-Standups mit den fuenf Division Heads, woechentliche Aufsichtsrats-Updates, und ein klar kommuniziertes 90-Tage-Zielbild. Die drei Saeulen:

  • SKU-Konsolidierung: Abbau von 340 unprofitablen Produktvarianten, Freisetzung von 12M Euro gebundenen Kapitals in Halbfertigwaren
  • Standort-Synergie: Konsolidierung zweier unterausgelasteter Werke in ein modernisiertes Hauptwerk, Einsparung von 8M Euro jaehrlichen Fixkosten
  • Einkaufsrenegotiation: Neuverhandlung von 73 Materialvertraegen innerhalb von 60 Tagen, durchschnittliche Preissenkung von 11 Prozent

Parallel wurde ein Kunden-Rettungsprogramm gestartet: Persoenliche Gespraeche mit den drei drohenden OEMs, transparente Kommunikation der Sanierungsfortschritte, und die Einfuehrung von Vendor-Managed-Inventory fuer die kritischsten Bauteile, was die Lieferzuverlaessigkeit von 78 auf 96 Prozent steigerte.

+6,8%

EBITDA-Marge nach 90 Tagen

Tag 46-90: Exit-Vorbereitung

Mit stabilisierten Operationen und einer nachweisbaren Ergebniswende begann die strategische Phase. Der Interim-CEO fuehrte einen strukturierten Verkaufsprozess ein, begleitet von einer Big-Four-Transaktionsberatung. Durch die schnelle Stabilisierung konnte das Unternehmen nicht als Distressed Asset, sondern als Turnaround Success Story positioniert werden, was den erzielten Multiple um 40 Prozent gegenueber der Ersteinschaetzung erhoehte.

Der strategische Kaeufer, ein globaler Automotive-Konzern, schloss die Transaktion im Q4 2024 ab. Alle 2.800 Arbeitsplaetze blieben erhalten, der Standort wurde zum Zentrum einer neuen europaeischen Division ausgebaut.

Lessons fuer die Interim-Praxis

  • Geschwindigkeit schlaegt Perfektion: Die ersten 14 Tage definieren den Momentum einer Restrukturierung. Jede Woche Verzoegerung kostet Vertrauen.
  • Operative Praesenz ist nicht verhandelbar: Ein Interim-CEO im Turnaround muss die Werke riechen koennen. Entscheidungen aus der Ferne treffen ist in dieser Phase fatal.
  • Kundenkommunikation ist Rettungsanker: OEMs tolerieren Probleme, wenn sie transparent kommuniziert und aktiv geloest werden. Schweigen erzeugt Kuendigungen.
  • Exit-Planung beginnt am Tag 1: Die Art und Weise, wie eine Restrukturierung dokumentiert und kommuniziert wird, bestimmt den erzielbaren Unternehmenswert.

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